Ein Stück Meerschweinchen- Geschichte Überfamilie Cavioidea - Meerschweinchenartige Zur Unterordnung Hystricomorpha wird ein heute weltweit verbreitetes wirkliches kleines Haustier gerechnet, das äußerlich allerdings kaum an ein Stachelschwein erinnert, das allbekannte Meerschweinchen (Cavia porcellus). Die Überfamilie Cavioidea, Meerschweinchenartige, der es angehört, ist ausschließlich in Mittel- und Südamerika beheimatet. Sie umfasst vier Familien, deren Vertreter meist als beliebte Schautiere in zoologischen Gärten gehalten werden: Cavioidae- Eigentliche Meerschweinchen Hydrochoeridae- Wasserschweine Dinomyidae- Pacaranas Dasyprocitidae- Agutis Zur Familie Hydrochoeridae gehören die absolut größten und schwersten rezenten Nagetiere.
Die kleinsten und leichtesten Vertreter dieser Überfamilie finden wir dagegen unter den Cavioidae mit dem schon erwähnten Meerschweinchen. Die Bezeichnung Meerschweinchen ist falsch; denn darunter verstehen wir einen Zahnwal, den Braunfisch. Unser Meerschweinchen ist nicht erst durch die Europäer domestiziert worden, denn als die spanischen Eroberer in Mittel- und – Südamerika eindrangen, fanden sie bereits Hausmeerschweinchen in der Pflege und im Gewahrsam der Peruaner vor. Auch in mumifizierter Form sind sie als Grabbeilagen erhalten. Diese hübschen, friedfertigen Tierchen wurden bald mit nach Europa genommen. Ihre pfeifenden und quietschenden Stimmäußerungen und ihre entfernt an ein kleines Schwein erinnernde Gestalt brachten diesem Nager, der absolut nichts mit den Schweinen zu tun hat, den Teilnamen Schweinchen ein. Wir kennen heute unser zahmes Meerschweinchen in einer Färbungsvielfalt, bei der kaum ein Exemplar dem anderen völlig gleicht. Ungefähr so sah es schon vor 200 Jahren aus, als der große schwedische Naturforscher Linne ihm- wohlgemerkt dem Haustier- den wissenschaftlichen Namen Cavia porcellus gab (porcellus bedeutet kleines Schwein). Interessanterweise ist in freier Wildbahn Perus noch die wilde Stammart (Cavia cutleri) des zahmen Hausmeerschweinchens erhalten geblieben. Diese Wildmeerschweinchen sehen zwar gestaltlich der Haustierform sehr ähnlich, sind aber von Kopf bis Fuß einheitlich gelbbraungrau meliert. Außer ihm gibt es noch eine Anzahl anderer verwandter Wildarten. Alle Meerschweinchenarten sind schwanzlose Nagetiere mit vierzehigen Vorder- und dreizehigen Hinterfüßen. Im Ober- und im Unterkiefer tragen sie – neben den oberen und unteren Nagezahnpaaren- auf jeder Seite vier mit Schmelzfalten versehene Backenzähne. Diese kleinen Laufnagetiere halten keinen Winterschlaf. Einige Arten leben unterirdisch in großen Kolonien. Unser Hausmeerschweinchen aber hat die Fähigkeit, sich selbst Erdbauten zu graben, völlig verloren. Auch seine Stammform soll in Freiheit hauptsächlich Unterschlupf in natürlichen Nischen und Höhlungen suchen. Von dort aus ziehen die kleinen Weidtiere auf streng eingehaltenen Wechseln zum Äsen in die Hochsteppen. Backentaschen fehlen, und Vorräte tragen sie nicht ein. Nach einer Trächtigkeitsdauer von 62- 70 Tagen werden normal ein bis fünf Junge geboren. Sie sind sehend und voll entwickelt. Bald schon folgen sie der Mutter bei ihren Weidegängen. Nach kurzer Zeit nehmen sie bereits feste Nahrung mit auf. Das ist notwendig, denn das Muttertier verfügt nur über zwei am Unterleib befindliche Milchzitzen. Meistens werden aber mehr als zwei Junge geboren, die sich den Ertrag der beiden Milchquellen teilen müssen. Die Säugezeit eines Wurfes dauert etwa drei Wochen. Im Alter von sieben bis acht Wochen sind die ersten halbwüchsigen Jungen schon geschlechtsreif. Hält man mehrere zahme Meerschweinchen in einem Gehege, so das keine Fortpflanzungsbeschränkung stattfinden kann, bringt jedes Weibchen normal vier, manchmal sogar fünf Würfe im Jahr. In der Paarungszeit liefern sch die wilden und zahmen Meerschweinböcke, die dabei erregt die Zähne wetzen und kollernde Töne hören lassen, Rivalenkämpfe mittels ihrer Nagezähne. Das harte straffe Haarkleid fängt aber im Allgemeinen die Bisse gut ab. Meerschweinchen fressen in Gefangenschaft fast ausschließlich Pflanzen- schon deshalb, weil im allgemeinen niemand daran denkt, ihnen auch tierische Nahrung anzubieten. Sie nehmen sie aber recht gern und nagen Knochen fein säuberlich ab. Der Verfasser konnte 1928 den Nachweis von gelegentlichem Kannibalismus bei in größerer Zahl in Sammelgehegen gehaltenen zahmen Meerschweinchen erbringen. Vorher wurden die angefressenen toten Meerschweinchen gewöhnlich als Opfer eingedrungener Ratten angesehen. Allerdings waren die toten Stücke nicht von den anderen Meerschweinchen totgebissen, sondern als schwache und alte, am Boden liegende Individuen rücksichtslos niedergetreten worden. Meerschweinchen sind recht nässe- und kälteempfindlich. Deshalb besteht keine Gefahr, dass sich bei uns in Freiheit gesetzte oder entkommene Tiere akklimatisieren und fortpflanzen könnten, um schließlich- wie die Bisamratte- als neues Schadnagetier aufzutreten. Zur Bereicherung des Speisezettels wird dieser bis zu 30 cm lange und dann gegen 500g schwere Nager nun noch von wenigen Feinschmeckern gemästet. Früher, weit mehr als heute, war es in der Haustierform wegen seiner Färbungsvielfalt ein beliebtes Versuchstier für genetische Forschungen. Von reinweißen Albinos mit roten Augen bis zu pechschwarzen Stücken, ganz abgesehen von der unübersehbaren Fülle an Scheckungskombinationen, ist es auch gelungen, besondere Langhaarrassen des Hausmeerschweinchens, die so genannten Angorameerschweinchen, und solche mit vielen aufeinander folgenden Haarwirbeln im gesamten Fell, die eigenartigen „Struppmeerschweinchen“ als Liebhabertiere zu züchten. Besonders schöne Exemplare beider Rassen werden von Kennern hoch bezahlt. Die Hauptbedeutung des gewöhnlichen Hausmeerschweinchens liegt in seiner Verwendbarkeit als Versuchstier in human- und veterinärmedizinischen sowie pharmazeutischen Instituten und Laboratorien, vor allem aber als Testobjekt für Infektionserkrankungen und zur Prüfung von Medikamenten. Alljährlich werden dafür zum Wohle der Menschheit Millionen dieser kleinen Nager benötigt und verbraucht. Meerschweinchenfelle sind als Pelzwerk- Rohmaterial gänzlich ungeeignet. Bestenfalls kann man die Häute zu dünnem, feinem Leder vergerben, das sich zu Handschuhen oder Geldtaschen verarbeiten lässt. Die auf Mittel- und Südamerika beschränkten Meerschweinchenartigen werden häufig als Hufpfötler bezeichnet. Diesen Namen rechtfertigen sie insofern, als ihre breiten platten Zehennägel eine angenähert hufartige Form annehmen, indem sie das Zehenglied rundum erfassen…... |